Jährliche Gedanken eines alten Jedi-Meisters

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Jolee Bindu
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Jährliche Gedanken eines alten Jedi-Meisters

Beitrag von Jolee Bindu » 04.01.2016, 18:09

Der kalte Wind des Januars fegt mit eisiger Kraft durch die Zweige der Bäume und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass nun doch der Winter mit seiner weißen Pracht Einzug hält. Selbst in den kleinsten Winkelflächen, Baumnischen und versteckten Gegenden des Waldes setzen sich die Kristalle ab und man könnte denken die Natur deckt sich mit einer großen weißen Decke ein.

Eine kalte aber auch klare Luft durchzieht den Wald und an den leicht roten Wangen lässt sich erkennen, dass der alte Jedi-Meister nun doch schon einige Zeit unterwegs ist.

Jeder Atemzug erzeugt eine kleine neblige Wolke um sein Gesicht und die Schritte im Schneekleid wirken schwer. Ab und an verweilt er an Stellen, wo man durch die dichten Bäume einen Blick auf die weiten Flächen und den unendlichen Himmel hat. Man könnte meinen er sucht seine Gedanken wie ein Puzzlebild zusammen um seine Geschichte wiedergeben zu können.

Sicheren Schrittes geht er voran…seinen Weg wie jedes Jahr zum Berg. Nichts hat sich auf diesem Weg verändert und dennoch hat sich alles verändert. Manchmal erkennt man ein Lächeln..manchmal könnte man vermuten eine kleine Träne erkannt zu haben.
So schreitet er voran. Die eine Hand hält und führt den Wanderstock während die andere ab und an die Pfeife hält, welche mit würzigem Tabak ihren Duft verbreitet.

Länger als sonst benötigt er für die Strecke…zu oft bleibt er stehen und man spürt wie ihn die Erinnerungen, die Fragen der Zukunft beschäftigen.

Kaum ist er an Bergspitze angekommen schreitet an seinen Platz. Automatisch und sicher kennt er den Weg dorthin, denn viele Jahre geht er diesen nun schon und er weiß, dass dieser Teil der Felsenfläche immer frei ist von Schnee. Ob es an der Sonne liegt….oder ob daran, dass der Berg für ihn den Platz frei behält…wer weiß das schon. Der alte Jedi-Meister setzt sich wie jedes Jahr in Ruhe an seinen Platz und die Augen wirken müde. Sie nehmen die große, breite Fläche des Tales auf, welches vor ihm liegt.

„Na alter Freund“ redet er leise vor sich hin und begrüßt so seinen Berg aufs neue „wie ist dein Jahr verlaufen? Was ist dir so widerfahren?“

Er sieht an manchen Stellen Abfall herumliegen und schüttelt nur den Kopf.

„Ja, manche Menschen können einfach nicht erkennen, wie sehr sie einem mit Abfall oder ihren nicht mehr benötigten Dingen schädigen…und einem diese Dinge einfach aufsatteln ohne das man sich wirklich wehren kann.“

Langsam zieht er aus seiner Tasche den Stopfer und drückt den Tabak in der Pfeife etwas fester, damit diese wieder besser zieht.
„Aber schön das wir uns wiedersehen – das wenigstens das bei allem bleibt.“

Sein Blick gleitet an die Seite und erkennt ein Stück Papier welches im Wind leicht hin und her flackert. Es hat sich wohl zwischen den beiden Steinen verfangen und erinnert ihn an die Papierschnipsel vom letzten Jahr. „Kann das sein?“ fragt er sich und greift danach.
Völlig überrascht erkennt er in dem Stück Papier einen Teil wieder welches letzes Jahr verwehte. Er versucht sich nicht an das zu erinnern was war sondern freut sich, dass er ein Teil wiedergefunden hat. Man spürt förmlich wie gut ihm das tut und er hält es fest….damit es nicht mehr vom Wind vorgetragen wird.

„Wie kommt das hierher…hätte das nicht schon längst verwelkt sein müssen?“

Er schüttelt nur den Kopf und denkt sich *egal, Hauptsache ich habe einen Teil wieder und das behalte ich bei mir*. So steckt er das Stück tief in die Tasche.

Ein eisiger Wind fährt auf und man spürt die Kälte nun doch merklich mehr als vor ein paar Stunden.
„Ja – da sitzen wir zwei wieder ….wie jedes Jahr und denken an die Zeit zurück was war…aber auch was kommen mag…was würde ich geben, einen Blick in die Zukunft geben zu können“ spricht er leise während sein Blick in der Ferne die Lichter greifen, welche von der Stadt herüber flackern.

„Weißt du, Berg…..so schlecht war das Jahr nicht einmal…..es hat einiges verlorene zurückgebracht, was man dachte nie mehr zu sehen……stellte einen vor große Prüfungen der Freundschaft und behielt sogar die ein oder anderen sonnigen Stunden, Tage für einen…als ob sie speziell nur dafür geschaffen wurden.“

Er knüpft die Jacke etwas höher, da der Wind jede Möglichkeit sucht um seine Kälte zu verbreiten.

„Manchmal frage ich mich nur, welcher Weg wirklich richtig ist…kann man zwei oder drei Wege gleichzeitig gehen….was ist wenn ich nur einen gehen kann?...werden es andere verstehen? …werden sie mit mir gehen oder warten….oder sogar nie nachkommen?.....manchmal wünschte ich mir irgendwo anders zu sein…wo man weg von diesen Erwartungen, Lügen, Ängsten, Neid und Ignoranz leben kann…wo man einfach selbst der sein kann…ohne Erwartungen oder Verpflichtungen etwas tun zu müssen.“

Die Sonne durchbricht für kurze Zeit die Himmelsdecke und übergibt ein paar warme Strahlen an den alten Jedi-Meister der diese mehr als dankbar aufnimmt.

„Ach….ja…Irland…das wär es jetzt…du hast es wohl verstanden, Berg..nicht wahr?“ ein Lächeln huscht über sein Gesicht und die Hände halten die wärmende Pfeife. „Und das schöne ist, dass du mir nicht mal böse bist, wenn ich dort wäre…weil du weißt, dass ich doch immer wieder zurückkomme.“

„Was denkst du über Freundschaft…über Vertrauen…über Ehrlichkeit…über Freiheit….über all das, was wir Menschen doch brauchen und wollen…und doch oft nie bekommen oder geben….an was liegt es, dass es so ist und uns das Leben erschwert?“
Er zieht ein paar Mal an seiner Pfeife und eine sichtbare Rauchwolke zeichnet sich ab die vom Wind hinfort getragen wird…in alle Richtungen.

„Menschen sind kompliziert…und je mehr man um sich hat, desto komplizierter wird es wohl für einen….und desto mehr müssen wir wohl tun um jedem sein Recht zu geben….aber…hat nicht jeder irgendwo seine eigenen Rechte, sein Leben nach seinen Voerstellungen zu leben…..wer achtet immer auf dieses unterschiedlichen Herzen….auf diese verschiedenen Gedanken?...wer nimmt und gibt Rücksicht?“

Er steht langsam auf und streckt sich. Spürt man doch so langsam das Alter und die Last der vielen Jahre….welche nicht nur am Körper sondern auch am inneren selbst ihre Spuren hinterlassen haben.

„Nun ja…wir werden es ja sehen. Vielleicht bekommen wir irgendwann einmal eine Antwort darauf..nicht wahr, Berg?“
Er lächelt leicht, zieht an der alten Holzpfeife und macht sich auf dem Rückweg. Es ist wieder mal spät geworden und die Abenddämmerung klopft an die Zeit des Tages.

Bevor er das Plateau verlässt, klopft er nochmals die Pfeife aus und stopft diese mit neuem Tabak. Das Streichholz versucht seine Flamme gegen den Wind zu behaupten und schafft es gerade so den neuen Tabak zu entzünden. Er zieht ein paar Mal…wirft noch einen letzten Blick zurück und verabschiedet sich von Berg.

Der Weg zurück scheint etwas verwirrend zu sein und an manchen Stellen irritiert es den alten Jedi-Meister. Doch er schafft es den Weg bis zur Straße zu finden.

„Ja, Berg….das war es wieder für dieses Jahr….mal sehen was das neue Jahr bringen mag…es ist ja noch neu und vieles liegt vor uns..Danke für deine Zeit.“

Er geht ein paar Meter und greift in die Tasche um sich nochmals das Stück Papier anzusehen, welches er gefunden hat um sich daran zu erfreuen. Doch seine Hand kann nichts finden….er durchsucht die Tasche ein paar Mal…doch nichts ist mehr da….das Stück Papier ist so plötzlich weg wie es gekommen ist.

„Warum das jetzt, Berg“…..sein Blick wendet sich zum Berg….“ich dachte, es hat seinen Grund, warum du das....das für mich aufgehoben hast……und jetzt ist es wieder weg.“ Enttäuscht und mit gesenktem Blick schreitet er heimwärts …kann er es nicht ändern….es ist fort und kommt nicht wieder.

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